Rassestandard des
Neufundländers:
Übersetzung: Dr. J.-M.
Paschoud und Frau R. Binder
Ursprung: Kanada
Patronat: F.C.I.
Datum der Publikation des gültigen Originalstandards: 29.10.1996
Verwendung: Schlittenhund für schwere Lasten, Wasserhund. Klassifikation
FCI: Gruppe 2 (Pinscher und Schnauzer, Molosser und Schweizer Sennenhunde
Sektion 2.2 Berghunde ohne Arbeitsprüfung.
Kurzer geschichtlicher Abriss:
Diese Rasse stammt aus der Insel Neufundland und entstand aus einheimischen
Hunden und dem großen schwarzen Bärenhund, den nach dem Jahre 1100 die
Vikinger dort eingeführt hatten. Nach dem Eintreffen europäischer
Fischersleute wirkten verschiedene Rassen an der Gestaltung und der
Auffrischung der Rasse mit, aber die wichtigsten Eigenschaften blieben
bestehen. Als im Jahre 1610 die Kolonisation der Insel begann, war der
Neufundländer bereits im Besitz seiner arteigenen Morphologie und seiner
angeborenen Charakterzüge. Diese Eigenschaften haben ihm gestattet, an Land
beim Ziehen von schweren Lasten die extrem strengen klimatischen Bedingungen
zu ertragen und als Wasser- und Rettungshund den Gefahren des Meeres zu
trotzen.
Allgemeines Erscheinungsbild:
Der Neufundländer ist massiv und hat einen kräftigen, gut bemuskelten
Körper; der Ablauf seiner Bewegungen ist gut koordiniert.
Wichtige Proportionen:
Die Länge des Körpers, vorn Buggelenk zum Sitzbeinhöcker gemessen, ist
größer als die Widerristhöhe. Der Körper ist kompakt. Der Körper der Hündin
kann etwas länger sein und ist weniger massiv als der des Rüden. Der Abstand
vom Widerrist bis zur Unterseite der Brust ist größer als der Abstand von
der Unterseite der Brust zum Boden.
Verhalten und Charakter (Wesen):
Der Neufundländer drückt in seiner Erscheinung Wohlwollen und Milde aus.
Majestätisch, fröhlich und unternehmungslustig ist er für seine stete
Liebenswürdigkeit und Gelassenheit bekannt.
Kopf:
Massiv. Der Kopf der Hündin entspricht in seiner Gesamterscheinung dem des
Rüden, ist aber etwas weniger massiv.
Oberkopf:
Schädel: Breit, mit leicht gewölbtem Scheitel und kräftig entwickeltem
Hinterhauptbein. Stop: Klar ausgeprägt, aber nicht abrupt.
Gesichtsschädel:
- Nase: Groß, gut pigmentiert, mit gut entwickelten Nasenflügeln.
- Farbe: schwarz bei schwarzem und bei weiß-schwarzem Haarkleid, braun bei
braunem Haarkleid.
- Fang: Ausgesprochen quadratisch, tief und mäßig kurz; mit kurzem feinem
Haar bedeckt, ohne Falten. Mundwinkel klar abgezeichnet, aber nicht zu stark
ausgeprägt.
- Backen: Weich
- Gebiss: Scheren-oder Zangengebiß
- Augen: Verhältnismäßig klein und tief eingesetzt; sie liegen weit
auseinander, und es ist keine rote Bindehaut sichtbar.
- Farbe: dunkelbraun bei schwarzem und weiß-schwarzem Haarkleid; bei braunem
Haarkleid ist ein hellerer Farbton zulässig.
Ohren:
Verhältnissmässig klein, dreieckig mit abgerundeter Spitze, gut hinten und
seitlich am Oberkopf angesetzt, gut anliegend. Wenn beim erwachsenen Hund
das Ohr nach vorne gelegt wird, reicht es bis zum inneren Augenwinkel
derselben Seite.
Hals:
Kräftig, muskulös, gut auf den Schultern aufgesetzt; lang genug, um eine
würdevolle Haltung des Kopfes zu erlauben. Der Hals sollte keine übertrieben
entwickelte Wamme aufweisen.
Körper:
-
Knochenstruktur überall massiv. Von der Seite gesehen, ist der Körper tief
und kräftig.
- Oberlinie: Vom Widerrist zur Kruppe horizontal und fest.
- Rücken: Breit
- Lenden: Kräftig und gut bemuskelt
- Kruppe: Breit, in einem Winkel von ca 30° abfallend.
- Brust: Breit, geräumig und tief; gut gerundeter Rippenkorb.
- Unterlinie und Bauch: Fast horizontal, nie aufgezogen.
Gliedmaßen:
- Vorderhand: Die Vorderläufe sind gerade und parallel, auch im Schritt und
im langsamen Trab.
- Schultern: Sehr gut bemuskelt und gut schräg nach hinten gelagert.
- Ellenbogen: Gut an der Brust anliegend.
- Vordermittelfuss: Leicht schräg gestellt.
- Vorderpfoten: Groß und harmonisch zum Körper passend; gut gerundet mit eng
aneinander liegenden, festen und kompakten Zehen; eine
Zwischenzehenhaut ist vorhanden.
Hinterhand:
Da der Schub zum Ziehen schwerer Lasten, zum Schwimmen und für einen
zugkräftigen, raumgreifenden Schritt in großem Maße von der Hinterhand
abhängt, ist die Beschaffenheit der Hinterhand beim Neufundländer von
höchster Bedeutung. Das Becken soll kräftig, breit und lang sein.
- Oberschenkel: Breit und muskulös.
- Knie: Gut gewinkelt, aber nicht so stark, dass der Hund zusammengekauert
aussieht.
- Unterschenkel: Kräftig und recht lang.
- Hintermittelfuß: Verhältnismäßig kurz, gut tief angesetzt; beidseitig
parallel und weit voneinander gestellt; weder nach innen noch nach außen
gedreht.
- Hinterpfoten: Kräftig und kompakt. Wenn vorhanden, sollten Wolfskrallen
entfernt sein.
Rute:
Wenn der Neufundländer schwimmt, wirkt die Rute wie ein Steuerruder; daher
ist sie kräftig und breit an ihrem Ansatz. Im Stand hängt sie gerade herab,
allenfalls mit einem kleinen Bogen am Ende. Sie reicht bis zum Sprunggelenk
oder geringfügig darunter. In der Bewegung oder wenn der Hund erregt ist,
wird sie gerade und waagrecht mit, an der Spitze, einer geringfügigen
Biegung nach oben getragen; nie über den Rücken gerollt oder zwischen die
Hinterläufe geklemmt.
Gangwerk:
Beim Neufundländer zeigt der Bewegungsablauf einen guten Vortritt der
Vorderläufe und einen starkem Schub aus der Hinterhand; er vermittelt den
Eindruck von Mühelosigkeit und Kraft. Ein leichtes Rollen des Rückens ist
natürlich. Wenn die Geschwindigkeit zunimmt, zeigen die Läufe die Tendenz,
sich der mittleren Schwerpunktslinie des Körpers zu nähern, wobei die
Rückenlinie horizontal bleibt.
Haarkleid:
- Haar: Der Neufundländer hat ein wasserundurchlässiges Stockhaar. Das
Deckhaar ist mäßig lang und gerade, nicht gelockt. Eine leichte
Wellenbewegung ist erlaubt. Die Unterwolle ist weich und dicht, dichter im
Winter als im Sommer aber auf der Kruppe und an der Brust immer bis zu
einem gewissen Grade vorhanden. Am Kopf, am Fang und an den Ohren ist das
Haar kurz und fein. Vorder-und Hinterläufe sind befedert. Die Rute ist
vollständig von langem dichtem Haar bedeckt, welches jedoch keine Fahne
bilden sollte. Trimmen und Scheren sind nicht zu empfehlen.
Farbe:
- Schwarz: Die herkömmliche Farbe des Neufundländers ist schwarz. Der
Farbton soll so einheitlich wie möglich sein, aber ein leichter Schimmer wie
von Sonnenbrand ist zulässig. Weiße Abzeichen an der Brust, an den Zehen
und/oder an der Spitze der Rute sind erlaubt.
- Weiß-schwarz: Diese Varietät ist für die Rasse von historischer Bedeutung.
Zu bevorzugen sind ein schwarzer Kopf mit weißer Blesse, die sich bis zum
Fang hin erstreckt, ein schwarzer Sattel mit gleichmäßigen Abzeichen und
eine schwarze Kruppe mit schwarzer Oberseite der Rute. Alles Übrige muss
weiß sein und darf ein Minimum an Tüpfelung aufweisen.
- Braun: Diese Farbe geht von schokoladefarben bis zu bronzefarben. Weiße
Abzeichen sind an der Brust, auf den Zehen und/oder an der Spitze der Rute
zulässig. Weiß-schwarze und braune Hunde sind bei Ausstellungen in derselben
Klasse wie die schwarzen zu beurteilen.
Größe und Gewicht:
Die Widerristhöhe beträgt im Durchschnitt für erwachsene Rüden 71 cm für
erwachsene Hündinnen 66 cm.
Das Gewicht beträgt im Durchschnitt ca. 68 kg für Rüden, ca. 54 kg für
Hündinnen. Eine große Widerristhöhe ist erwünscht, aber die Größe ist
gegenüber Symmetrie, allgemeinem Gesundheitszustand, kräftiger Konstitution
und einwandfreiem Bewegungsablauf nicht zu bevorzugen.
Fehler:
Jede
Abweichung von den vorgenannten Punkten muss als Fehler angesehen werden,
dessen Bewertung in genauem Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen
sollte.
- Allgemeines Erscheinungsbild: Hochbeinig, Mangel an Substanz.
- Allgemeine Struktur des Knochengerüsts: schwerfällig in seinem Aussehen,
dünne Knochen.
- Charakter: Aggressivität, Scheuheit
- Kopf: Schmal
- Fang: Zugespitzt oder lang
- Lefzen: Betont
- Augen: Rund, vorstehend; gelbe Augen, rote Bindehaut klar sichtbar.
- Rücken: Karpfenrücken, weicher Rücken oder Sattelrücken.
- Rute: Kurz, lang; Knickrute; Spitze eingerollt.
- Vorderhand: Vordermittelfuß durchgetreten; gespreizte Zehen; nach außen
oder nach innen abgedrehte Pfoten; Fehlen der Zwischenzehenhäute.
- Hinterhand: Steil gewinkelte Kniegelenke; kuhhessig, fassbeinig; nach
innen gedrehte Pfoten.
- Gangwerk: Trippelnder, schleppender, krebsartig seitlich verschobener
Gang, Bewegung eng oder strickend, Überkreuzen der Vorderläufe, zehenweiter
oder eindeutig zehenenger Bewegungsablauf der Vorderläufe; steppender Gang,
Passgang.
- Haarkleid: spärlich. Fehlen der Unterwolle.
Ausschließende Fehler:
- Schlechte Charaktereigenschaften
- Vorbiß, Rückbiß, Kreuzbiß.
- Kurzes oder flach anliegendes Haarkleid.
- Abzeichen von irgend einer anderen Farbe als weiß bei schwarzem oder
braunem Haarkleid.
- Jede andere Farbe als schwarz, weiß-schwarz oder braun.
N.B. - Rüden müssen zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen,
die sich vollständig im Hodensack befinden.
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